Analogien im (Software-)Projekt

Eines der größten Probleme in Projekten, gerade auch in Softwareprojekten, entstehen durch Missverständnisse in der Kommunikation.

Beide Seiten, Kunde und Anbieter, sprechen nicht die selbe Sprache, verstehen sich nicht richtig und dadurch entstehen Komplikationen.

Mit Sprache meine ich nicht etwa deutsch oder englisch, sondern Fachsprache. Der Informatiker  verwendet ganz natürlich seine technischen Begriffe um eine Software zu beschreiben, genauso wie ein Rechtsanwalt juristische Begriffe benutzt wenn es um seinen Fall geht.
Ist der Gesprächspartner hier nicht versiert, führt das völlig selbstverständlich zu Missverständnissen.

Hier muss eine gemeinsame Sprache gefunden werden.

Ein Lösungsansatz ist hier die Analogie. Eine Metapher, ein Bild. Etwas auf das das gesamte Thema übertragen werden kann und das beide verstehen.

Gerade die Softwareentwicklung ist für Nichtfachleute ein Buch mit sieben Siegeln.

 

Ich möchte hier eine Analogie vorstellen, die ich sehr gerne verwende:

Software ist wie ein Haus.

Eine fertige Software, die komplett so übernommen wird und für sich alleine steht, bsp. Microsoft Word, ist ein Haus. Es ist schon fertig, die Wände sind gestrichen, Leitungen sind verlegt und Möbel stehen auch schon drin. Man kann also direkt einziehen und wohnen. Anpassungen am Haus selbst (der Software) sind also nicht mehr möglich.

 

Eine Software, die angepasst werden kann, z.B. Mozilla Firefox, ist ein Haus, das auch fertig ist. Hier können aber diverse Anpassungen gemacht werden. Das Schlafzimmer im ersten Stock? Kein Problem. Gitter vor den Fenstern? Na klar, geht auch. Blumentapete im Flur? Logisch. Auch möglich. Zusätzliches Zimmer? Nein, also das geht jetzt nicht. Das Haus kann jetzt nicht ohne weiteres einfach umgebaut werden.

 

Updates und Patches gibt es natürlich auch. Da wird dem Haus eine neue Wärmeisolierung verpasst oder es wird ein Loch im Dach repariert.

 

Neue Software zu entwickeln kann also mit einem Hausbau verglichen werden. Ein kleines Tool ist dann wie ein Vogelhaus. Da reicht dann auch nur ein Hobbyhandwerker, der im Kopf hat, wie das Vogelhaus aussehen soll. Er holt sich ein paar Bretter, malt einen groben Plan auf ein Blatt Papier, sägt die Bretter zurecht und nagelt oder schraubt sie zusammen. Jeder sieht hier schon, das die Qualität sicher steigt, wenn der Handwerker (Programmierer) weiß was er tut, von vorne herein weiß, was er will, und einen Plan hat.

Bei einem ganzen Haus ist jedem klar, das so nicht gearbeitet werden kann. Hier steckt mehr Arbeit drin. Es werden Handwerker benötigt, Maler, Mauerer, Zimmermänner, Elektriker, Heizungsmonteure, ein Architekt. Man sollte vorher wissen, wie viele Zimmer das Haus haben soll. Wo soll das Schlafzimmer hin, wo die Küche? Wo kommen die Steckdosen hin? Wo die Toilette?

 

Man kann also mit dieser Analogie sehr viel erklären und der Gesprächspartner versteht das in der Regel auch.

 

So wird dann

  • der Guiprogrammierer zum Innendesigner
  • der Netzwerker zum Elektroinstallateur
  • der Softwarearchitekt zum Architekt (oha)
  • die Software As A Service zur Mietwohnung(-haus)
  • das Fertighaus zur Standardsoftware
  • Der JavaSpring-Spezialist, der nur mit Eclipse und Maven arbeitet, zum Küchenbauprofi für Schüllerküchen, der nur Torxschrauben verwendet.

 

Ein paar Beispiele, die man vielleicht aus Softwareprojekten kennt (transportiert in die Analogie):

  • Ich möchte jetzt aber doch lieber das Schlafzimmer im zweiten Stock und die Küche im Ersten
  • Wieso dauert das denn so lange? Ich habe den Plan doch schon vor zwei Monaten gesehen und kann immer noch nicht einziehen?
  • Warum ist dieser handgemachte und eingepasste Wohnzimmerschrank denn so teuer wo doch ein Ikeaschrank nur ein Bruchteil kostet und wieso brauchen Sie dafür so lange? Was machen Sie da denn die ganze Zeit?
  • Sie haben gesagt, Sie wollen ein Haus mit 3 Zimmern. Von einem Garten war nie die Rede. Und Strom haben Sie auch nie erwähnt. Was? Fließendes Wasser? Also das kostet extra.
  • Ein zusätzliches Zimmer? Jetzt noch? Warum haben Sie das nicht am Anfang schon gesagt? Jetzt steht das Haus doch schon. Ja, da haben Sie das Kind vielleicht noch nicht eingeplant, aber wir können nun mal nicht agil bauen (merkt Ihr was 😉 )

 

 

Analogien funktionieren hier also hervorragend um ein technisches Thema in eine allgemeine Sprache zu transportieren, die alle Beteiligten verstehen. Dadurch ist es auch möglich zu erklären, warum etwas aus welchen Gründen gemacht werden muss.

 

Das funktioniert durch die Bank hinweg auch auf andere Themen. Lasst Euch was einfallen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *