Ist Komplexität ein Problem?

Unsere Welt wird immer komplexer. Alles scheint irgendwie zusammenzuhängen und unüberschaubar zu sein. Veränderungen sind an der Tagesordnung und kaum noch vorhersagbar. Für Unternehmen deren wichtigste Instrumente Kontrolle, Steuerung und Planung sind, ist das in erster Linie ein Problem.
Sichtbar wird das dadurch, dass Unternehmen heute, um am Markt bestehen zu können, Anforderungen erfüllen müssen, die eine besondere Dynamik benötigen:

 

  • Sie müssen Service- und Kundenorientiert sein
  • Sie müssen schnell auf Marktveränderung reagieren können
  • Sie müssen sich einer globalen Konkurrenz behaupten
  • Sie müssen sich dem digitalen Fortschritt anpassen

 

Das war bis vor wenigen Jahrzehnten nicht so. Die Entwicklung war weniger rasant, regionaler und wenig kundenorientiert. Mit anderen Worten, es war nicht so marktbestimmt. Durch Globalisierung und Digitalisierung hat sich das aber geändert.

 

Um dem zu begegnen, neigen Unternehmen dann dazu, die interne Komplexität zu erhöhen, indem Sie Schnellschüsse durchführen. Sie führen neue Produkte ein, versuchen mit allen Mitteln Kunden zu binden und/oder sie führen neue Prozesse ein.

Anstatt einer Reduktion der Komplexität im Unternehmen entsteht also eine Erhöhung der Komplexität.

 

Das Fatale daran aber ist, dass versucht wird, Komplexität in den Griff zu bekommen. Gerade das Management begeht hier den Denkfehler, dass sich Komplexität kontrollieren lasse.

 

Hier werden meiner Ansicht nach die meisten Fehler gemacht. Komplexität kann nur mit zwei Vorgehen reduziert werden:

  1. Indem man bereits begangenen Aktionismus ausbessert, also dort wo es möglich ist, Standards einführt und Insellösungen abschafft, oder
  2. Indem man zentralisiert und das Angebot vereinheitlicht

 

Die Gefahr, vor allem bei Punkt 2, ist allerdings, dass man dabei gegen die Marktanforderungen verstößt, die ich am Anfang meines Artikels beschrieben habe. „Der Kunde ist König“ zählt heute mehr den je, denn er hat heute mit wenigen Ausnahmen die Wahl und kann sich sehr schnell für einen anderen Hersteller entscheiden wenn ihm der Service oder das Produkt nicht passt.

Nicht ohne Grund ist in der Industrie Losgröße 1 das Schlagwort der Zukunft.

 

Was ich aber für weit aus wichtiger halte, ist, daß hier Komplexität in einem nur sehr engen Rahmen betrachtet wird.

Betrachten wir uns doch mal, was Komplexität eigentlich ist

Ihr kennt vielleicht den Schmetterlingseffekt, der besagt dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen kann?

Komplexität entsteht dadurch, das mehrere Systeme gegenseitig in Wechselbeziehung stehen und sich dadurch eine Emergenz bildet. Ein System, also etwas, das in sich geschlossen ist, kann hier eine Software, eine Abteilung, ein Mensch, ein Arbeitsprozess aber auch der Markt sein. Durch das Zusammenspiel von unterschiedlichsten Systemen können demnach neue Merkmale auftreten, die nicht vorhersagbar sind. Und sie sind hochdynamisch.

Wir sehen also schon, dass das praktisch immer so ist wenn es sich nicht gerade um ein wirklich komplett abgekapseltes System handelt in das wirklich niemand eingreift.

 

Eine andere, sehr einfach zu verstehende Definition ist die, die auch Niels Pfläging verwendet.

Komplexität ist all das, wo Menschen beteiligt sind. Es ist nicht vorhersagbar.

Im Unterschied dazu ist etwas Kompliziert, wenn es vorhersagbar ist. Es kann geregelt, gesteuert und automatisiert werden.

 

Demnach sind Unternehmen als Ganzes immer komplexe System, genauso wie der Markt.

 

Komplexität ist kein Effekt, sondern ein Zustand

 

Wir können daran nichts ändern. Es ist wie es ist. Wir müssen also lernen, wie wir mit Komplexität umgehen.

 

Letztendlich ist Komplexität nur für diejenigen ein Problem, die sie nicht erkennen und nicht die richtige Struktur und Methoden haben um damit umzugehen.

 

Wenn ihr mehr über den Umgang mit Komplexität im Unternehmen wissen möchtet, schaut mal bei Niels Pfläging oder Lars Vollmer vorbei:

www.nielspflaeging.com

www.larsvollmer.com

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